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Linden-Limmer ist der 10. Stadtbezirk in Hannover. Er hat 45.091
Einwohner und besteht aus den Stadtteilen Linden-Mitte (12.367
Einwohner), Linden-Nord (16.422 Einwohner), Linden-Süd (10.097
Einwohner) und Limmer (6.205 Einwohner) (Januar 2016).
Das Dorf Linden entstand im 11. Jahrhundert und wuchs im 19.
Jahrhundert zur Industriestadt, die 1920 nach Hannover eingemeindet
wurde. Linden besteht heute aus den Stadtteilen Linden-Mitte, -Nord und
-Süd. Es ist geprägt durch eine vielfältige Gastronomieszene und einen
hohen Anteil von Studenten und Bewohnern mit Migrationshintergrund. Das
bürgerschaftliche Engagement ist ausgeprägt, kulturelle Aktivitäten
(wie zum Beispiel das Fährmannsfest) haben stadtweite Ausstrahlung.
Ausdruck des örtlichen Selbstverständnisses ist der „Lindener Butjer“,
eine den spielenden Kindern des frühen 20. Jahrhunderts nachempfundene
Regionalfigur.
Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]
Gründung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]
Linden und die Ihme um 1636 links im Vordergrund, dahinter Hannover
Georgenschanzen 1763 auf dem Lindener Berg, daneben Linden mit
Von-Alten-Garten (Mitte) und Küchengarten (oben), rechts
Befestigungswerk an der Brücke der Ihme
Erstmals wird Linden in einer Schenkungsurkunde des Bischofs Widelo von
Minden erwähnt, die sich auf die Zeit zwischen 1115 und 1119 datieren
lässt. Zu dieser Zeit war der Graf Widekind I. von Schwalenberg
Gerichtsherr in Linden im Marstemgau und nahm in Gegenwart von Zeugen,
darunter Herzog Lothar III., Schenkungen an das Bistum Minden vor, die
Bischof Widelo bestätigte. Sie betrafen Vorwerke und Eigenhörige in den
heute nicht mehr nachweisbaren Dörfern Liusen, Batmere und
Wallenthorpe.[1] Ab etwa 1130 waren die Grafen von Roden Gerichtsherrn
und ab dem 13. Jahrhundert die Grafen von Alten als größter Grundherr
der Gegend. 1285 wird erstmals die Kirche des Heiligen Martin erwähnt,
die 1328 dem Kloster Marienwerder eingegliedert wurde. Die Kirche wurde
nach Zerstörung im Zweiten Weltkrieg 1957 wiederaufgebaut. In der
Umgebung Lindens lagen Lehenshöfe, zunächst der Grafen von Roden,
später der Welfen.
1652 ließ Herzog Georg Wilhelm mit dem Küchengarten in Linden einen
Lust- und Küchengarten anlegen zur Versorgung seines Hofes mit Obst und
Gemüse. Diese Funktion behielt er bis zum Ende des Königreichs Hannover
1866. Danach wurden an seiner Stelle (er befand sich im Bereich
zwischen den heutigen Straßen Fössestraße, Dieckbornstraße und
Davenstedter Straße) ein Güterbahnhof errichtet sowie Wohnhäuser
gebaut. Heute erinnert nur noch der Platz Am Küchengarten im heutigen
Stadtteil Linden-Mitte an die frühere Nutzung.
1688 erwarb der Oberhofmarschall Franz-Ernst von Platen für etwa 12.000
Reichstaler das Gut der Familie von Alten durch einen Nutzungsvertrag.
Es umfasste etwa 56 Hektar Land, Jagdrecht, Gerichtsbarkeit,
verschiedene Zehnte, den Lindener Schäferhof sowie Ländereien und
Berechtigungen in der Lindener Glocksee, der Neustadt und der
Aegidienmasch. Nach dem Kauf zusätzlicher Höfe ließ von Platen den etwa
7 ha großen Von-Alten-Garten als Barockgarten anlegen, den ab 1718 eine
Mauer umgab. Der Graf von Platen erwarb 1700 weitere 20 Hektar Land und
ließ eine neue Straße, die Leineweberstraße, mit 30 Häusern für die
Weberzunft anlegen. Auch ließ er eine Schmiede, Bierbrauerei,
Branntweinbrennerei, Kalkbrennerei sowie eine Wachsbleiche mit Meister
und Gesellen aus Italien einrichten. Der Graf ließ zudem in einer auf
dem Gut errichteten Kapelle eigens für seine Hörigen Gottesdienste
abhalten. 1796 wurde in einem Haus in der Weberstraße eine Schule für
Neu-Linden eingerichtet.
Während des Siebenjährigen Kriegs wurden die Anlagen der
Stadtbefestigung Hannover reaktiviert. Dazu entstanden außen liegende
Schanzen wie die 1761 entstandenen Georgenschanzen auf dem Lindener
Berg. Gebaut wurde nur der innere Ring der Sternschanze. Auch die
Westseite des Ihmeufers in Linden erhielt ein Befestigungswerk zum
Schutz der Brücke.
Alt-Linden und Neu-Linden[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]
In der Alt-Lindener Weberstraße finden sich die ältesten erhaltenen
Wohnhäuser in Linden und die älteste erhaltene Reihenhausanlage in
Hannover
Festzelt der Schützengesellschaft Linden, Menschen bei Schützenfest
Ansichtskarte, um 1907
Im Laufe der Zeit entwickelte sich aus dem Areal das vom alten Dorf
Linden verwaltungsrechtlich getrennte „Neu-Linden“, das auch einen
eigenen Nachtwächter, einen eigenen Vorsteher und eine eigene
Schützengesellschaft erhielt. Zu Neu-Linden gehörten die Häuser der
Weberstraße, Häuser und Speicher in der Blumenauer Straße sowie Häuser
in der Hohe Straße und der Deisterstraße. Nach dem Rückkauf des Gutes
Linden im Jahr 1816 durch die Familie von Alten verließ die Familie von
Platen Linden.
Das alte Dorf Linden reichte ursprünglich vom Lindener Berg bis zur
Glocksee und Ohe am gegenüberliegenden Ufer der Ihme. 1829 wurden
Glocksee und Ohe selbstständige Orte mit eigener Verwaltung, blieben
aber bezüglich Kirche und Schule weiterhin Linden zugehörig.
Mit Erlass verfügte 1826 die Königliche Landdrostei Hannover für die
Gerichtszuständigkeit eine Grenzlinie zwischen Alt-Linden und
Neu-Linden. Nach dem Erlass hatte Alt-Linden einen Bauermeister und
drei Vorsteher, Neu-Linden einen Vorsteher und zwei Nebenvorsteher. Zu
Alt-Linden gehörten der Lindener Berg, Kirchstraße, Lindener Straße,
Hohe Straße, Posthornstraße, Blumenauer Straße, das Gut von Alten
einschließlich Gerichtshof, der Bereich westlich der nördlichen
Deisterstraße von der Allee (die heutige Von-Alten-Allee) bis zur
Ihmebrücke. Zu Neu-Linden gehörten der Bereich östlich der nördlichen
Deisterstraße von der Allee bis zur Ihmebrücke, der südliche Rest der
Deisterstraße und die Weberstraße.
1842 hatte das Dorf Linden 3.207 Einwohner [2].
Während Linden sich im ersten Viertel des 19. Jahrhunderts zu einem
Wohnort für die Vorstadtvillen begüterter Familien aus Hannover
entwickelte, expandierte das Gewerbe insbesondere durch die
Unternehmungen von Georg Egestorff. Bis 1845 wurden alle hinzugezogenen
Arbeitnehmer auf dem Gebiet des alten Lindens untergebracht. Zu ihrer
Unterbringung wurden viele Gebäude wie Ställe und Anbauten in Wohnraum
umgewandelt. Danach begann unter der Bau- und Wegekommission unter
Leitung von Georg Ludwig Friedrich Laves eine planmäßige Bebauung von
Linden-Süd und Linden-Nord.[3]
Die Bebauung im Bereich des heutigen Linden-Süd begann um 1845, nachdem
der Lokomotivbau in die Produktpalette der Egestorffschen Fabrik (der
späteren Hanomag) aufgenommen wurde. Der nördlich des alten Dorfes
Linden gelegene heutige Stadtteil Linden-Nord wurde ab 1853 auf dem
„Nedderfeld“ errichtet („Nedderfeldstraße“). Eine der ersten
Straßenzüge war die 1854 entstandene Fannystraße. An ihr lag auf einem
Grundstück von Adolph Meyer die von Ludwig Debo errichtete
„Arbeiterkolonie in der Fannystraße“.[3] In ihr lebten Mitarbeiter der
Mechanischen Weberei. Die Siedlung zwischen der Mathilden- und der
Fortunastraße wurde 1965 abgerissen. Anschließend wurde die Fannystraße
durch zwei moderne Wohnblocks überbaut.
1856 wurden die Dörfer Alt-Linden und Neu-Linden zur Landgemeinde
Linden zusammengeschlossen. Die Gemeinde erhielt statt der bisherigen
Bauermeister einen Gemeindevorstand.
Entwicklung zur Industriestadt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]
„Eisen-Giesserey und Maschinenfabrik Georg Egestorff“ etwa Mitte 19.
Jahrhundert in Linden, im Hintergrund der Deister
Das 1917 erbaute ehemalige Hanomag-Fabrikgebäude am Deisterplatz
Nach der Annexion des Königreiches Hannover durch Preußen im Jahr 1866
war Linden das größte Dorf Preußens. Den Grundstein für die Entwicklung
zur Industriestadt hatte der Industrielle Johann Egestorff Anfang des
19. Jahrhunderts gelegt mit Kalkbrennereien am Lindener Berg zur
Produktion des Baustoffs Kalkmörtel. In seine Fußstapfen trat sein Sohn
Georg Egestorff, der eine Maschinenfabrik und Eisengießerei gründete,
die spätere Hanomag. Hier wurden von 1846 bis 1931 auch Lokomotiven
hergestellt, die bis zum Bau der Altenbekener Strecke 1872 mühsam mit
Pferdefuhrwerken zum nächsten Gleisanschluss transportiert werden
mussten.
Nach dem Tod Egestorffs 1868 wurde die Fabrik durch den neuen Besitzer,
den „Eisenbahnkönig“ Bethel Henry Strousberg großzügig erweitert. Neben
dem Werk an der heutigen Göttinger Straße wurde eine Arbeitersiedlung
mit 144 Häusern gebaut, die wegen der Rumänien-Aufträge Strousbergs
(Konzession über 900 km Bahnstrecken und Lieferung von Lokomotiven)
„Klein-Rumänien“ genannt wurde. Die Straßen hießen „Hammerstraße“,
„Feilenstraße“ und „Zirkelstraße“. Das Geschäft platzte und Strousberg
musste sein Unternehmen 1871 an ein Bankenkonsortium verkaufen. 1937
wurden die Häuser im Zuge der Vergrößerung der Hanomag abgerissen.
Das Gelände der Hanomag erreichte 1911 eine Ausdehnung von 42.000 m²,
davon 24.000 m² überbaut.[4] An die große Bedeutung der Firma und deren
Besitzer für Linden erinnern heute Straßennamen wie Hanomagstraße,
Egestorffstraße und Strousbergstraße. Da Strousberg jüdischer Herkunft
war, trug letztere während der NS-Zeit ab 1935 den Namen Kettlerstraße
– nach Julius Kettler, erster Vorsitzender und Mitbegründer des
Niedersächsischen Heimatbundes.
Am Küchengarten siedelten sich Ende des 19. Jahrhunderts zahlreiche
kleinere Firmen an, von denen sich einige zu einer gewissen Bedeutung
entwickelten. Wie etwa die Lindener Samtspinnerei, Baumwollspinnerei
und Mechanische Weberei, die Lindener Aktien-Brauerei, zwei
Gummifabriken und die Deutsche Asphalt sowie eine Korsettfabrik und
eine Bettfedernfabrik, auf deren Gelände heute das Kulturzentrum FAUST
besteht. Die Hannoversche Waggonfabrik (HAWA) produzierte südlich des
Lindener Bahnhofs von 1898 bis 1933 Eisenbahnwagen, Straßenbahnen,
Automobile, Kampfflugzeuge und Landmaschinen. Deren 1915 auf dem
Tönniesberg angelegter Werksflugplatz wurde im November 1919 der erste
zivile Flugplatz für Hannover und blieb dies, bis er 1928 vom Flughafen
Hannover-Vahrenwald abgelöst und 1930 ganz geschlossen wurde.
1927 wurde am Küchengarten ein städtisches Badehaus erbaut, da viele
Arbeiterfamilien kein eigenes Bad besaßen. Nach dessen Schließung zog
dort 1987 das Theater am Küchengarten (TAK) ein.
Im Wesentlichen um die im Preussag-Bergwerk Barsinghausen geförderte
Steinkohle des Deisters zu beschaffen, wurde der Bahnhof
Linden-Fischerhof eingerichtet und mit der Zweigstrecke nach
Linden-Küchengarten ab 1872 an das Netz der Hannover-Altenbekener
Eisenbahn bzw. der Deisterbahn angebunden. Der Bahnhof wurde 2006 für
eine bessere Anbindung an Stadtbahn und Bus verlegt und heißt heute
Hannover-Linden/Fischerhof. Während des Ersten Weltkrieges entstand der
Lindener Hafen mit der Anbindung an den Mittellandkanal über den
Stichkanal Hannover-Linden.
Altes Rathaus an der Deisterstraße um 1910, Entwurf von Christoph Hehl.
Rathaus am Lindener Marktplatz vor dem Zweiten Weltkrieg
Linden war bis 1885 Landgemeinde und Vorort Hannovers und hatte 25.570
meist evangelische Einwohner. Von Hannover war es durch die Ihme
getrennt. Linden erhielt am 1. April 1885 Stadtrechte. Der erste
Bürgermeister wurde der hannoversche Senator Georg Lichtenberg.
Zugleich wurde aus den Ämtern Wennigsen und Linden der Landkreis Linden
geschaffen, der 1932 dem Landkreis Hannover zugeschlagen wurde. 1908
wurde in den Gemarkungen Ricklingen und Wettbergen der neue 17 Hektar
große Hauptfriedhof Linden eröffnet. 1909 wurden die Gemeinden
Badenstedt, Bornum, Davenstedt und Limmer sowie 1913 die Gemeinde
Ricklingen in die Stadt Linden eingemeindet.
Die Stadt erhielt 1889 durch königlichen Erlass die Erlaubnis für das
Wappen mit dem roten Löwen vor der Linde auf einem Schild mit je 4
blauen und silbernen Querstreifen und mit einer dreitürmigen
Mauerkrone. Die Linde erinnert an die Entstehung Lindens, als vom
Grafen Wittekind bzw. Widukind von Schwalenberg unter einer Linde
Gericht gehalten wurde. Der rote Löwe gehörte zum Wappen des Grafen von
Roden.
Nach der Eingemeindung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]
Am 1. Januar 1920 wurde Linden mit damals rund 80.000 Einwohnern nach
Hannover eingemeindet. 1934 bis 1936 waren viele Lindener Mitglieder
der Sozialistischen Front, die als eine der größten
Widerstandsbewegungen in der Zeit des Nationalsozialismus gilt. Im März
2009 setzte der Kölner Künstler Gunter Demnig in der Nedderfeldtstraße
8 einen Stolperstein für den Lindener Widerstandskämpfer Wilhelm Bluhm.
Die Hanomag produzierte Personenwagen („Kommissbrot“), Lkw sowie (bis
1931) Lokomotiven. Im Zweiten Weltkrieg stellte sie Panzerfahrzeuge,
Geschütze und Großkalibermunition her. 1943/44 wurde an der Göttinger
Straße eine mehrstöckige Halle errichtet, deren Tragwerk ursprünglich
für eine U-Boot-Fertigungshalle in der Nordwerft der Kriegsmarinewerft
Wilhelmshaven vorgesehen war, die heute unter Denkmalschutz stehende
„U-Boot Halle“.
Die Hanomag war noch nach Gleichschaltung durch die
NSDAP-Betriebsleitung Mittelpunkt des sozialdemokratischen und
kommunistischen Widerstandes in Hannover gegen das Naziregime. Hier
wurden noch bis 1943 Flugblätter und Zeitungen gedruckt und verteilt,
am 1. Mai Feiern und Aktivitäten im Untergrund geplant sowie Kontakte
zu Auslandsvertretern der Parteien im Untergrund gehalten.
Nach 1945 befand sich in der Jacobsstraße 10 das sogenannte Büro Dr.
Schumacher, von dem aus Kurt Schumacher nach dem Zweiten Weltkrieg die
SPD wieder aufgebaut hat. Ein Stockwerk darüber befand sich das Büro
der Kommunistischen Partei Deutschlands, die ebenfalls von hier aus
wieder aufgebaut wurde.
Im Bahnhof Linden kam es am 22. Juni 1969 zum Zugunglück von Linden,
bei dem eine Explosion von Bundeswehr-Munition vier Bundesbahnbeamte
und acht Angehörige der Feuerwehr Hannover tötete.
Im Jahr 2012 lag der Ausländeranteil in Linden bei über 30 Prozent.
Somit ist es eines der Vierteln mit den höchsten Ausländeranteilen in
Hannover.[5]
2015 begeht Linden sein 900-jähriges Jubiläum mit über das Jahr
verteilten Veranstaltungen unter dem Motto „Linden am Fluss – Linden im
Fluss“.[6]
Linden-Mitte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]
Linden-Mitte ist die Keimzelle Lindens und wird begrenzt durch die
Fösse sowie Fössestraße und Spinnereistraße im Norden, die Ihme im
Osten, Badenstedter Straße, Am Lindener Berge, Westschnellweg,
Von-Alten-Allee und Deisterstraße im Süden sowie die Güterumgehungsbahn
im Westen. Durch den Westschnellweg wird der Stadtteil in ein
Gewerbegebiet im Westen und das Wohngebiet im Osten geteilt.
Geburtshaus von Hannah Arendt am Lindener Marktplatz 2 (weißes Eckhaus)
Lichtenbergplatz, im rechten Bildteil ist das ältere, gelbe Haus Nr. 2
zu erkennen
Mittelpunkt des Stadtteils ist der Lindener Marktplatz mit dem neuen
Rathaus von 1899 (das alte befindet sich an der Deisterstraße), dem
Nachtwächterbrunnen, den ältesten Straßenlaternen Hannovers (im
Volksmund „Bischofsstäbe“ genannt), dem Geburtshaus der Philosophin und
Politologin Hannah Arendt und einem dienstags und samstags
stattfindenden Wochenmarkt. Die Stadtteilbibliothek Linden-Mitte mit
großer Kinder- und Jugendabteilung ist im neuen Rathaus untergebracht.
Der Platz und seine Umgebung sind in großen Teilen durch
Gründerzeithäuser geprägt, zum Beispiel in Wittekind-, Haasemann- und
Beethovenstraße sowie am Pariser Platz. Der Lichtenbergplatz ist ein
Platz aus der Jahrhundertwende in Hannover, dessen angrenzende Häuser
vor allem der Repräsentation dienen sollten.[7]:131 Ihre Fassaden
zieren figürliche und pflanzliche Motive und wirken dadurch plastisch.
Als Fassadenmaterial diente vorwiegend roter Verblendziegel mit einer
Putzgliederung. Stilistisch orientieren sich die Häuser an der
Weserrenaissance und dem Barock. Davon ausgenommen ist das ältere Haus
Nr. 2, dessen gelbe Ziegelflächen mit roten Zierbändern eher der
Hannoverschen Architekturschule entsprechen.[7]:131
Die seit 1500 am Schwarzen Bären bestehende Ihme-Brücke war lange Zeit
die einzige Verbindung zwischen Hannover und Linden. Die 1992 nach
Benno Ohnesorg benannte Brücke wurde in einer fünfjährigen Bauphase von
2008 bis 2013 durch einen Neubau ersetzt. Dieser ist nun mit einem
Hochbahnsteig für die Stadtbahn ausgestattet und ersetzt die vorigen
Stationen, welche direkt am Schwarzen Bär lagen.
An der Falkenstraße wurde 1884 das erste Gymnasium in Linden gegründet,
die heutige Helene-Lange-Schule. Die IGS Linden am Fuße des Lindener
Berges wurde 1971 als erste Integrierte Gesamtschule Hannovers
gegründet.
Die St.-Martins-Kirche ist die älteste Kirche Lindens, von der nur der
Kirchturm den Zweiten Weltkrieg unbeschädigt überstanden hat. An sie
schließt sich der Von-Alten-Garten an, der ursprünglich als
Barockgarten angelegt wurde.
Auf dem Gelände der 1961 stillgelegten Mechanischen Weberei wurde
Anfang der 1970er Jahre im Stil des Brutalismus das Ihme-Zentrum als
Einkaufs-, Wohn- und Bürozentrum gebaut. Angrenzend auf der anderen
Seite der Blumenauer Straße wurde auf dem früheren Gelände der Lindener
Aktien-Brauerei eine Reihenhaussiedlung, das Gilde Carré, errichtet.
Gelände des Platzprojektes
Der an der Grenze zu Linden-Nord liegende Platz Küchengarten (früher
ein Nutzgarten der Welfen) wurde neu gestaltet. Hier wird das Lindener
Schützenfest gefeiert. Hier befindet sich in einem ehemaligen
städtischen Badehaus das Theater am Küchengarten (TAK). Auf dem
Lindener Berg, der zweithöchsten natürlichen Erhebung Hannovers nach
dem Kronsberg, befinden sich auf dem Wasserhochbehälter die
Volkssternwarte Hannover und gegenüber in einem ehemaligen Jugendhaus
der Jazz Club Hannover. Im selben Gebäude spielt das
„Mittwoch-Theater“. Der Lindener Bergfriedhof wurde 1862 angelegt und
1965 außer Dienst gestellt. Hier steht seit 1914 der barocke
„Küchengarten-Pavillon“. Seit 2004 findet alljährlich Ende März/Anfang
April während der Scilla-Blüte ein Blütenfest unter dem Motto „Das
Blaue Wunder“ statt.
Im westlich des Westschnellwegs gelegenen Gewerbegebiet liegt am
Stichkanal Linden der Lindener Hafen. Hier haben Betriebe der
chemischen Industrie (Kleber- und Kleisterproduktion),
Recyclingbetriebe, metallverarbeitende Unternehmen und Speditionen
ihren Sitz. Seit dem Jahre 2014 findet sich in dem Gebiet das vom
Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung geförderte
Platzprojekt als Experimentierfeld für städtische Entwicklung.
In der Nähe des Fössebades hat der im Rugby erfolgreiche TSV Victoria
Linden seinen Sportplatz.
Linden-Nord[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]
Linden-Nord wird begrenzt durch Leine und Ihme im Norden und Osten,
Fössestraße und Spinnereistraße im Süden sowie den Westschnellweg im
Westen.
Die Hauptachse des Stadtteils ist die Limmerstraße. Entlang der
überwiegend als Fußgängerzone ausgewiesenen Geschäftsstraße gibt es
viele Gaststätten und Läden. In einem Hinterhof befindet sich das 1908
gegründete Apollokino der Familie ter Horst, eines der ältesten
Vorstadtkinos Deutschlands. In ihm begann der spätere Cinemaxx-Gründer
Hans-Joachim Flebbe seine Karriere. Des Weiteren gibt es in Linden-Nord
das Kulturzentrum FAUST mit dem Bürgerfunk radio flora.
Im Stadtteil haben viele Einwohner einen Migrationshintergrund. Wegen
der Nähe zur Universität und zur Hochschule Hannover ist er zugleich
ein bevorzugter Wohnort von Studenten.
Das Freizeitheim Linden ist die erste Einrichtung seiner Art in
Deutschland. In ihm befindet sich eine Stadtteilbibliothek mit einer
großen Kinder- und Jugendabteilung. Bethlehemkirche und
Gerhard-Uhlhorn-Kirche gehören zur Ev.-luth. Kirchengemeinde
Linden-Nord, die St.-Benno-Kirche zur katholischen Gemeinde. In der
Fössestraße befindet sich eine Moschee des Türkischen Kulturzentrums.
Seit August 1983 findet alljährlich am Mündungsufer der Ihme das
Fährmannsfest statt, ein Musik- und Kulturfest. Das Fest ist nach der
Fähre benannt, die einst Linden mit Hannover verband. Auf der
Dornröschenbrücke, die den Stadtteil mit der angrenzenden Nordstadt
verbindet, findet jährlich eine Gemüseschlacht statt.
Im August 1962 ging das von den Stadtwerken Hannover betriebene
Heizkraftwerk Linden ans Netz. Es stellt über die Stromerzeugung hinaus
die Ausgangsbasis für das rund 280 Kilometer umfassende Fernwärmenetz
Hannovers dar (Stand: 2007). Anfangs mit Steinkohle betrieben wurde
1990 auf Erdgasfeuerung umgestellt. Wegen der drei Kesselhäuser mit den
hohen Schornsteinen hat das Werk den Spitznamen „Die drei warmen
Brüder“. Nach Abschluss von Entkernungs- und Modernisierungsmaßnahmen
wurde im Jahr 1998 eine Gas- und Dampf-(GuD)-Turbinenanlage in Betrieb
genommen.
In Linden-Nord wurde eine der ersten Fahrradstraßen Hannovers
eingerichtet.
Linden-Süd wird begrenzt im Norden durch die Straßen Am Lindener Berge,
Westschnellweg, Von-Alten-Allee und Deisterstraße (bis Schwarzer Bär),
im Osten durch die Ihme, im Süden durch die Bahnstrecke
Hannover–Altenbeken und im Westen durch die Straße Am Ihlpohl, einer
früheren Bahntrasse zum ehemaligen Güterbahnhof Küchengarten.
Die Gemeinde Linden plante ihr erstes Rathaus im Jahr 1882. Als
Standort wählte man den nördlichen Teil der Deisterstraße, damals das
vorläufige Zentrum der Stadt. Christoph Hehl lieferte den Entwurf. Das
1884 eingeweihte Gebäude entstand an der Gabelung von Deister- und
Ricklinger Straße, städtebaulich wirksam auf ansteigendem Gelände. Der
dreigeschossige, gotisierende Ziegelbau hat einen trapezförmigen
Grundriss. Die üppige Dachlandschaft wurde im Zweiten Weltkrieg fast
vollständig zerstört und anschließend nicht rekonstruiert. Die
anspruchsvolle Gliederung lässt sich aber heute noch am Galerie-artigen
dritten Geschoss erkennen, ebenso an der Vorhalle und den zierlichen
Fenstern des früheren Ratssaals an der Ostseite.[7]:127
Das Ahrbergviertel in der Nähe des Allerweges und Deisterplatzes ist
der kulturelle Mittelpunkt der spanischstämmigen Bewohner in der Region
Hannover. Dies spiegelt sich in der offiziellen Straßenbenennung wider
(„Plaza de Rosalia“). Benannt wurde das Viertel nach der früheren
Wurstfabrik Fritz Ahrberg.
Die Erlöserkirche am Allerweg bietet regelmäßig Gospel-Gottesdienste
an. Die katholische Pfarrkirche ist St. Godehard.
Im Westen des Stadtteils liegt das frühere Hanomag-Gelände. Heute wird
das lange Zeit brach liegende Gelände durch Einzelhandel (u.a.
Baumärkte, Fahrradhandel) und Bürogebäude (Polizei, Telekom) bestimmt.
Mehrere Gebäude (darunter die „U-Boot-Halle“) stehen unter
Denkmalschutz. Von der Firma Komatsu werden auf einem Teil des ehemals
großen Firmengeländes weiterhin Baumaschinen produziert.
Die Humboldtschule, 1899 gegründet und seit 1962 in Linden-Süd an der
Ricklinger Straße ansässig, ist mit circa 1.000 Schülern eines der
größten und traditionsreichsten Gymnasien Hannovers. Das zum Klinikum
Region Hannover gehörende Klinikum Siloah wurde durch einen Neubau
ersetzt und mit dem Klinikum Oststadt-Heidehaus zum Klinikum Mitte
zusammengelegt. Die seit April 2011 zur MHH gehörende Hautklinik Linden
ist Mitte 2014 auf deren Gelände verlegt worden.
Linden-Süd hat mit dem Bahnhof Hannover-Linden/Fischerhof an der Grenze
zum Nachbarstadtteil Ricklingen Anschluss an die S-Bahn Hannover. Hier
liegt das Kaiser-Center, ein mit Sport- und Spielaktivitäten
umgenutztes Gebäude der ehemaligen Kaiser-Brauerei. Gegenüber diesem
Sportzentrum und der Humboldtschule beginnen östlich der
Ritter-Brüning-Straße die Sportplätze des Sportparks Hannover. In
diesem befindet sich auch das Homefield des American Football Vereins
Hannover Grizzlies. Auf dem Lindener Berg befindet sich das Stadion am
Lindener Berg, in dem der Sportverein SV 1907 Linden (kurz Linden 07)
seine Fußball-Heimspiele hat.

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